SPOILER ALERT!

Star Trek: Titan: Taking Wing by Andy Mangels & Michael A. Martin

Taking Wing - Michael A. Martin, Andy Mangels

Unfortunately, the only review I can offer right now is the German one I wrote for the Austrian Star Trek-newsgroup back in 2005.

 

Basically, I find the premise of Titan quite intriguing, I'm cautiously optimistic about the crew, quite a few very interesting and likeable characters mixed with others I don't particularly care about. The plot suffers a bit because of the concentration on the characters, though... When all is said and done, given that I'm no longer an avid reader of Star Trek-novels, the notion that I truely intend to pick up the next installment of this new series means quite a lot of praise. I hope I won't be disappointed!


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Mich hat "Taking Wing" nicht ganz so vom Hocker gerissen, sicher nicht so sehr wie "Avatar" oder die erste NF-Tetralogie. Liegt vielleicht daran, daß ich die "A Time to..."-Serie nicht gelesen habe, nachdem ich das 1. Buch wirklich zum Einschlafen fand und nach 50 Seiten weglegte. Daher kenne ich zB. Commander Vale nicht, die mir hier rein von diesem Buch her gesehen, recht farblos vorkam. Andererseits habe ich auch nicht wirklich Lust, einen 9-Teiler zu lesen, nur damit mir ein Charakter irgendwie näher gebracht wird. Wenn "Titan" selbst das nicht schafft, dann soll's wohl nicht sein.

Natürlich ist es interessant, wie sich Riker *endlich* auf sein eigenes Kommando einläßt, mit all den Unsicherheiten, die man von einem neuen Captain, der ja auch nicht mehr der Jüngste ist, erwarten kann. Andererseits stören mich gerade einige dieser Unsicherheiten ein wenig, denn Riker sollte schon ein wenig selbstsicherer sein nach seinen bisherigen Erfahrungen. Ich fand's ein wenig übertrieben, mit welcher Aggressivität und Paranoia er Akaar begegnete. Wiederum natürlich weiß ich nicht genau, was in "A Time to..." geschehen ist, das ihn an den Admirälen der Flotte zweifeln läßt, aber diese Art der Unsicherheit kam mir schon etwas übertrieben vor. Das Ende jedoch stimmt mich wieder etwas positiver, einerseits Akaars Reaktion auf Rikers Anschuldigungen, andererseits auch wieder einmal einen kleinen Blick auf Rikers Einfallsreichtum in Krisenzeiten werfen zu können... ja, so könnte das schon weitergehen!

Gegenüber Riker und Trois Beziehung bin ich noch ein wenig zwiegespalten. Ich habe nichts dagegen, daß die beiden auf demselben Schiff dienen, wobei ich Trois zusätzliche Aufgabe als Chefdiplomatin des Schiffes für nicht wirklich bemerkenswert halte. Schließlich hatte sie schon zuvor wichtige Aufgaben, gerade was Verhandlungen mit fremden Spezies anbelangt. Ich vertraue darauf, daß die beiden ihre private Beziehung durchaus von der beruflichen Hierarchie trennen können. Was mich jedoch ziemlich störte, waren diese kleinen Gesten auf der Brücke, wie die Umarmung oder das Händchenhalten. Mag kleinlich sein, aber gerade dadurch wird das Privatleben in den Beruf hinein gezogen. Auch diese telepathischen Konversationen fand ich unangebracht. Meiner Meinung nach ist das Problem, Troi und Riker in derselben Kommandostruktur zu haben, nicht so sehr die Möglichkeit eines "Change of Heart"-Szenarios, sondern eher darin gegeben, daß Riker Trois Meinung über die all seiner anderen Berater stellen könnte. Und das wird natürlich verstärkt, wenn er mit ihr "reden" kann in einer Weise, die alle anderen nicht mitbekommen. Ich hoffe sehr, das wird noch ein bißchen runtergefahren und schließlich ähnlich professionell gelöst wie die Odo/Kira-Beziehung. Von Calhoun/Shelby möchte ich gar nicht anfangen, da die NF in meinen Augen seit Restoration ziemlich abgebaut hat... aber das ist ein anderes Kapitel.

Der Speziesvielfalt auf der Titan stehe ich auch noch eher etwas skeptisch gegenüber, da ich noch nicht ganz verstehe, wie diese Vielfalt dann wirklich in die Praxis umgesetzt werden soll. Bisher gab's da ja nur kleine Einblicke. Sowohl Ree als auch Bralik haben mich von Anfang an angesprochen, auch dieser cardassianische Kadett könnte noch interessant werden, besonders wenn er vom bajoranischen Wissenschaftsoffizier unter die Fittiche genommen wird. Die gesamte Ingenieursriege berührte mich nicht wirklich, ob die eine jetzt tot ist und der andere sein Vergangenheitstrauma bewältigen will, ist mir herzlich egal. Was ich ehrlich gesagt aber fast seltsam finde, ist die Reaktion einiger Crewmitglieder auf ihre Kollegen. So finde ich den Typen, der später Keru versucht anzumachen, eher sehr unsympathisch, und auch die Szene mit Ree in der Kantine erfüllte mich eher mit Mitleid für den Arzt als Verständnis für die Zuseher. Ich meine, Klingonen essen lebende Würmer (und Riker tut das auch), so weit ist der Schritt nicht mehr zum Mahl eines Velociraptors, was die Ekelstufe betrifft... ja, vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig, aber dieses offene Zurschaustellen von Angst, Ekel und Argwohn finde ich einfach nicht angebracht für Sternenflottenangehörige.

An bekannten Personen werden TNGs Alyssa Ogawa, DS9s Melora Pazlar und der Trill Keru, der bereits vor einigen Jahren im TNG-Teil der Section 31-Reihe auftauchte, als Crewmitglieder eingeführt. Während man über Melora noch nicht viel sagen kann, so sind Keru und Ogawa einander wichtige Stützen über den Tod des jeweiligen Partners hinweg zu kommen. Ich hoffe, diese Freundschaft, die auch Ogawas kleinen Sohn Noah mit einschließt, bleibt ein wichtiger Bestandteil dieser Serie. Ich glaube nämlich, auch wenn das naiv oder kitschig klingen mag, man kann Personen viel eher über ihre Freunde definieren, als über solch vage Zuweisungen wie "Keru ist der "Parade"-Homosexuelle an Bord". Damit werden Personen oder in diesem Fall Buchcharaktere auf nur einen Punkt reduziert, der natürlich einen wichtigen Teil ihres Lebens ausmacht, aber doch keineswegs als einziger zeigt, *wer* man ist. Ganz ehrlich gesagt finde ich es traurig, wenn es andere Menschen stört, was 2 Erwachsene aus freien Stücken und ungezwungen in ihren eigenen 4 Wänden machen. Das geht doch niemanden was an! Es ist schade, daß wahrscheinlich schon die Vorstellung, einen Homosexuellen an Bord der Titan zu haben, bei einigen Lesern negative Reaktionen auslösen wird. Andererseits muß man auch sagen, daß diese Leser dann wohl auch den Geist Star Treks, allem mit offenen Augen und Toleranz zu begegnen, nicht verstanden haben und sich wohl eher anderem zuwenden sollten. Um wieder auf Keru zurück zu kommen, so hoffe ich wirklich, hier wird ein guter Mittelweg gefunden, der ihn als Person wachsen läßt - so man sich nicht entscheidet, ihn seinen Verletzungen erliegen zu lassen...

Spock ist natürlich immer ein gern gesehener Gast, er ist und bleibt mein Lieblingscharakter von Star Trek, auch wenn er hier ein wenig farblos, um nicht zu sagen unnötigerweise hier inkludiert, herüber kommt. Auf der anderen Seite dient er dazu, Tuvok auf den Plan zu bringen, der hier nun hoffentlich endlich mal zu dem aberundeten Charakter werden darf, der er 7 Jahre auf der VOY nicht sein durfte. Ich bin jedenfalls schon jetzt gespannt, wie er sich in diese Crew einfügen und später mit Keru zusammenarbeiten wird.

Für mich ist die Crew immer der wichtigste Bestandteil von SF-Serien. Sie muß die Fantasiewelt dem Leser/Zuseher glaubhaft übermitteln können, sozusagen die Brücke zur Handlung sein. Ich denke schon, daß diese Truppe dieses Potential hat, wenn man es mit den diversen Einzel"quirks" nicht übertreibt, andererseits aber auch nicht den Fehler begeht, zu schnell über diese Besonderheiten hinweg zu gehen und den üblichen ST-Mannschaftseintopf zu kreieren.

Zur Geschichte selbst gibt's nicht viel zu sagen. Ich fand die Prämisse der vielen konkurrierenden Fraktionen auf Romulus sehr interessant, die Auflösung allerdings doch etwas zu einfach und abrupt. Rikers Idee ist zwar brillant, ich hätte jedoch lieber gern mehr von den Verhandlungen gesehen. Die Titan wurde immerhin nach Romulus geschickt, um dort zu helfen, Ordnung wieder herzustellen und die verschiedenen Fraktionen an einen Tisch zu bringen. Aber genau das geschieht schließlich quasi hinter verschlossenen Türen... Riker gewinnt zwar an Ansehen, aber bei mir läßt das einen eindeutig faden Geschmack zurück.

Abschließend bleibt zu sagen, daß "Titan" definitiv einiges Potential hat. Ich bin kein regelmäßiger ST-Leser mehr, aber ich kann mir durchaus vorstellen, bei dieser neuen Serie dran zu bleiben. Um ein endgültiges Urteil zu fällen, ist es allerdings noch viel zu früh.