SPOILER ALERT!

Teufel von Gerd Schilddorfer & David Weiss

Teufel - David G. L. Weiss, Gerd Schilddorfer

"Teufel" ist der bislang letzte Roman der Sina-Reihe, die mit "Ewig" und "Narr" begann. Und leider endet die Serie nicht wirklich mit einem Höhepunkt, sondern eher mit einem (drastisch ausgedrückt) Rohrkrepierer... vor allem verglichen mit seinen Vorgängern. Und das liegt an der Fülle von Handlungsfäden, die ausgelegt werden - zunächst ohne scheinbaren Zusammenhang -, die sich später zwar schon verdichten, aber letztendlich zu einer unbefriedigenden Lösung gebracht werden. Ewig und Narr zeichneten sich dadurch aus, dass natürlich Mythen und Legenden verfolgt wurden, aber am Ende auch etwas Greifbares übrig blieb. Und genau dieses Handfeste fehlt mir hier. Aber kurz zum Inhalt:

 

Im Zuge seiner Untersuchungen des Archivs von Jauerling, das am Ende von Narr gefunden wurde, kommt Sina einem Rätsel auf die Spur, das ihn in diverse Kirchen und Klöster in NÖ, Wien und Deutschland führt und das die Grundfesten des Christentums erschüttern könnte. Doch er wird vom Jäger zum Gejagten. Zur gleichen Zeit entdecken Berner und Burghardt in einem alten von Burghardt gekauften Weinkeller in Niederösterreich einen verwaisten Koffer mit SS-Material. Der zum Abtransport des umherliegenden Mülls gerufene Lastwagen rammt eine alte Kriegerstatue, in der 2 Leichen eingemauert sind. Die 2 Polizisten und der hinzugeholte Wagner starten die Recherche und hören von mysteriösen Vorgängen Ende des 2. Weltkriegs just in diesem kleinen Weinort. Angeblich sei ganz in der Nähe ein Zug vorbeigekommen, dessen Güter Himmler unbedingt auf "geheiligter Erde" sehen wollte. Zeugen dieser Ereignisse werden nach der Reihe umgebracht. Denn nicht nur Sina auf der einen Seite und das Trio auf der anderen interessieren sich für diese Rätsel, die sich erst nach und nach in Zusammenhang zeigen. Auch im Vatikan agieren verschiedene Kräfte an unterschiedlichen Seiten, was auch hier zu Toten führt und schließlich auch noch den Mossad und damit Valerie Goldmann ins Spiel bringt.

 

Man kommt nicht umhin, sich bei der Lektüre zu fragen, ob die Autoren nicht zuviel wollten. Hätte nicht die Frage um das Gottsein Jesu gereicht? Musste wirklich auch noch der Teufel in konkreter, aber doch sehr abstrakter Form hinein? Wozu? Ich glaube, dass dieser Roman besser funktioniert hätte, wenn man diese Elemente der "Schwarzen Magie" draußen gelassen hätte. Nicht, weil ich den "Teufel" per se verachte, sondern weil die letzten Passagen, eigentlich ja der Höhepunkt eines Romans, dadurch ins Fantastische abgleiten, was der Handlung schadet. Denn es gibt schlussendlich keinerlei Konsequenz aus den Abschnitten in Turin - ja, Schock, Greuel, Unglauben für den Moment, aber danach geht jeder wieder seiner Wege, praktisch ohne Folgen. Und das ist ein bisschen wenig. Ich hätte mir da eine konkretere Auseinandersetzung mit dem Christentum gewünscht, die durchaus auch diese 600 Seiten allein füllen hätte können, die aber schlussendlich fast ein wenig neben den Schockelementen zu kurz kommt. Schließlich wurde beim Konzil von Nicäa mehr oder weniger willkürlich beschlossen, was zukünftig Teil der Glaubenslehre sein sollte... das und was nicht Teil derselben ist, füllt genügend Mythen und Legenden. Stoff genug, ohne noch das allgegenwärtige Böse zu bemühen.

 

Dazu kommt, dass dieser Roman wegen der vielen Schauplätze einiges an Zeit braucht, bis er in Fahrt kommt. Wenn ich mich an die 2 Vorgänger erinnere, wo man von Beginn an voll im Geschehen war, dann zieht sich das hier ein wenig wie ein Strudelteig. Auch stört es mich, dass die beiden Protagonisten für drei Viertel der Geschichte getrennt ihren Spuren nachgehen, mehr oder weniger ihr eigenes Süppchen kochen, ohne Kontakt. Und da kann die Handlung noch so packend sein, ein wichtiges Element - vor allen Dingen einer Romanserie - sind die Charaktere und ihre Interaktion. Das kommt leider ebenfalls zu kurz.

 

Und letztlich waren die Anspielungen auf Dan Browns Werke einfach sehr übertrieben - klar ist der Aufbau ähnlich, und Ewig ist wohl nicht zufällig im Fahrwasser von Da Vinci Code und Konsorten so erfolgreich geworden. Aber hier jetzt auch "Das letzte Abendmahl" nach irgendwelcher Symbolik zu durchsuchen, die Blutlinie mehrfach zu erwähnen etc., wirkt ausgesprochen billig. Dabei konnten die Sina-Romane bisher doch ausgezeichnet auf eigenen Füßen stehen, warum also hier diese deutlichen Anbiederungen?

 

Warum "Teufel" trotzdem 2.5 Sterne erhält? Weil es trotz der genannten Schwächen und Totalfehlschläge immer noch ein recht spannender Roman ist mit Hauptfiguren, die ich in der Zwischenzeit liebgewonnen habe. Da das Ende durchaus weitere Abenteuer mit den Charakteren ermöglicht, werde ich die Augen offen halten (auch wenn ich nicht viel Hoffnung hege). Allerdings hoffe ich sehr, dass dann wieder ein wenig mehr Struktur und Bodenständiges Eingang in die Handlung finden werden - denn "Teufel" zeigt von beidem eindeutig zu wenig.